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Gedenkstätte Hohenschönhausen

Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 13 des Oberstufenzentrums waren am 14.12.2015 in der Gedenkstätte Hohenschönhausen zu Gast. Es handelt sich um die ehemalige DDR- Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatsicherheit (Stasi) in Berlin.
Uns interessierte die Gedenkstätte, da wir im Unterricht die DDR-Zeit behandeln werden und uns mit geschichtlichen Aspekten der Nachkriegszeit im Kurshalbjahr beschäftigen. 
Zunächst wurden wir von einem Zeitzeugen, Herrn Hildebrandt, der selber zu DDR Zeiten hier Häftling war und politisch in Ungnade fiel, durch das ehemalige Gefängnis geführt. Am Anfang unserer Führung wurde uns der Tagesablauf beschrieben, wodurch wir einen organisatorischen Überblick bekamen.
Herr Hildebrandt begann vor dem Haupthaus. Dieser älteste Gebäudetrakt wurde von Nationalsozialisten, Sowjets und DDR-Obrigkeit auf unterschiedlichster Art und Weise genutzt. Unser Zeitzeuge hielt die wichtigsten und spannendsten Fakten immer im Vordergrund. Immer wieder wies er auf Aspekte hin, welche im ersten Hinschauen nicht erschlossen werden konnten. Zum Beispiel kleine Fenster, welche auf einen Keller hinwiesen und so verschlossen werden konnten, dass die Inhaftierten kein Tageslicht mehr bekamen. Es war dem Inhaftierten also nicht klar, ob es sich um Nacht- oder Tageszeit handelt.
Die Besichtigung führte uns weiter in das sogenannte „U-Boot“. Dieser Kellerkomplex wurde in der Anfangszeit für grausame Foltermethoden, zum Beispiel Wasserzellen, Kälte- oder Wärmezellen, verwendet. Wir durften in diese Kellerräume reingehen, was das Verständnis der Zustände anschaulich machte. Auch hier hatte Herr Hildebrandt einige interessante Fakten parat: zum Beispiel die Mehrbett-Zellen, wo die Inhaftierten sich nur zur Schlafenzeit hinlegen durften und bis zu 12 Personen in unheimlich engen Räumen zusammenleben mussten. 
Über den Hof gingen wir in den Vernehmer Trakt. Als erstes führte uns der Guide in den Abschnitt, in dem die Verhafteten ankamen, welche nie wussten wo sie genau waren. Es wurde viel Wert darauf gelegt, dass die Inhaftierten nicht wissen wo sie sind, um sie zu desorientieren oder auch Ausbrüche oder ähnliches zu verhindern. Die Angestellten fuhren mit dem Gefängnisbus meist Umwege, um den Häftling zu irritieren. Aus dem Vernehmertrakt raus gingen wir in eine Gummizelle, die sich im Keller  befand. Hier wurden uns die einzelnen Zellen und die Kleidung der Häftlinge gezeigt. Auch hier schilderte Herr Hildebrandt immer wieder eigene Erlebnisse, welche uns das Alltagsleben eines Häftlings veranschaulichte. Unter anderem erzählte er uns, wie die Häftlinge durch die Gänge geführt wurden. Bestandteil war ein Ampelsystem, welches darauf hinwies, dass der Verhaftete nun weggesperrt werden muss, damit kein Kontakt zu anderen Inhaftierten entstehen konnte. Nun gingen wir in den Vernehmertrakt, wo die Häftlinge die einzige Person trafen, mit der sie sprechen konnten: ihrem Sachbearbeiter bzw. Vernehmer. Seine Aufgabe war es, mit allen Mitteln ein Geständnis zu bekommen. 
Herr Hildebrandt zeigte uns ein originales Zimmer und erzählte auch hier ein paar spannende Anekdoten. Hier nahm er einmalig, über Klopfzeichen am Heizungskörper, Kontakt zu einem anderen Häftling auf. Nach dem Vernehmertrakt gingen wir über den Hof in die Freigang-Zellen. Dieser Außenbereich glich er einem Käfig im Zoo, abgetrennt von dicken Mauern und überwacht von Soldaten. Man durfte nicht reden, kein anderen Kontakt aufbauen, aber man wusste es gibt noch andere Häftlinge. Herr Hildebrandt betonte, es sei bekannt, dass andere Inhaftierte da waren, aber wie viele hätte er nie sagen können Ein bizarrer Gedanken zu wissen, dass jemand neben einem ist, nur eine Mauer weiter und man hat ihn nie gesehen. Nach der Führung hatten wir einige Zeit Pause, in der wer uns von der Kälte erholen konnten, die draußen herrschte. Nach etwa 30 Minuten fingen wir mit der Fragerunde an und hielten ein interessantes Gespräch mit dem Zeitzeugen Herrn Hildebrandt. Bei diesem intensivem Gespräch haben wir uns auf seine persönliche Geschichte fixiert, wie es zur Verhaftung kam bis hin zum Wiedersehen mit seiner Familie, welche er uns detailliert und spannend erzählte. Er war beim Abreißen eines SED Plakates erwischt worden. Diese Aktion brachte Herrn Hildebrandt eine mehrmonatige Haftstrafe ein.
Zum Abschluss ist zu sagen, dass diese Geschichtsexkursion sich in allen Punkten lohnte. Die Führung wurde durch das Zeitzeugenwissen spannender und lebhafter.

Antonio Winkler, Geschichtskurs 13 (Möller), Berufliches Gymnasium, 13. Jahrgangsstufe