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Märkische Oderzeitung vom 15.07.2017:

 

Kritische Erstwähler 

Strausberg (MOZ) Im Wahlforum des Politikcafés im Oberstufenzentrum Märkisch-Oderland haben die Erstwähler fünf Kandidaten auf den Zahn gefühlt. Besonders den der Alternative für Deutschland nahmen sie in die Zange.

Gleich zum Start die Gretchenfrage: "Wie halten Sie es mit der Ehe für alle?" Der Buckower Zimmermann Andreas Schuffenhauer, der für die Alternative für Deutschland (AfD) im Podium links außen saß, startete mit dem Bekenntnis, dass er jedem gönne, nach seiner Fasson selig zu werden: "Aber die Ehe, die Ehe ist nur für Mann und Frau gedacht. Dazu brauche ich keine Verfassung und Gesetze, das ist für mich in Stein gemeißelt."

Für Kerstin Kühn (Die Linke), Mirko Dachroth (FDP), Stephen Ruebsam (SPD) und Jan Sommer (Bündnis 90/Die Grünen) war es danach leicht, mit ihrer einhelligen Zustimmung zum kürzlichen Bundestagsvotum zu punkten. Jan Sommer, der Bündnisgrüne Öko-Landwirt, äußerte außerdem sein Unverständnis dafür, dass die Kanzlerin für die CDU/CSU den Fraktionszwang aufgehoben hatte: "Ich werde, sollte ich in den Bundestag gewählt werden, immer nur meinem Gewissen bei der Abstimmung folgen und keinerlei Fraktionszwang", versprach er.

Andreas Schuffenhauer war in zünftiger Zimmermannskluft erschienen und betonte bei der Vorstellung, dass er ein Vertreter des ältesten Handwerks der Welt sei. 1960 in Dresden geboren, habe er sich immer politisch engagiert und sei deshalb von der DDR ausgebürgert worden. 1995 sei er nach Buckow gezogen, habe geheiratet und sich als Zimmermannsmeister selbstständig gemacht. Für ihn seien Traditionen und Werte, die er in der AfD am besten bewahrt sehe, Grund, für diese Partei in den Bundestagswahlkampf zu ziehen.

Einige der Schüler des Beruflichen Gymnasiums fragten nach: "Traditionen und Werte aus welcher Zeit wollen Sie denn hochhalten?" Der Zimmermann unterstellte den anderen Parteien, sie würden Traditionen verleugnen, er aber sei stolz auf die deutsche Literatur, Musik und Baukunst. "Und was ist mit den vielen deutschen Erfindungen, dem Fernseher und der Zahnpasta?"

FDP-Kandidat Mirko Dachroth sagte, er habe nichts dagegen, deutsche Traditionen zu pflegen, doch bereicherten internationale Einflüsse ebenfalls die deutsche Gesellschaft: "Wenn wir jetzt alle Schüler nichtdeutscher Herkunft rausschicken, lichteten sich die Reihen und wir wären ärmer." Er ermunterte die Schulen zu mehr Praktika in Betrieben und die Lehrer, die Wirtschaft stärker in die Schule zu holen.

AfD-Kandidat Schuffenhauer lud explizit "alle Jungs ein, bei mir ein Praktikum und einen Einstellungstest zu machen", damit sie das Handwerk kennen lernen. Auf die kritische Nachfrage, wieso er nur die Jungen einlade, antwortete Schuffenhauer vielsagend: "Die Frage kannst du dir nach drei Wochen Praktikum selbst beantworten." Bei den Schülerinnen brachte das keine Pluspunkte.

Linken-Kandidatin Kerstin Kühn ermunterte die Schüler, sich rechtzeitig bei Praktika über Berufe zu orientieren: "Es können nicht alle studieren", sagte sie auf die Vorhaltung einer Schülerin, dass immer mehr Ausbildungsbetriebe Abiturienten als Azubis erwarteten. "Wenn Sie ein praktischer Beruf mehr reizt als ein akademischer, warum nicht? Entscheiden Sie sich für das, was Sie wirklich gerne machen wollen", sagte Kerstin Kühn dazu. Und Stephen Ruebsam: "Ausbildung ist unser aller Thema, wir müssen sie attraktiver machen, brauchen mehr qualifizierte Berufsschullehrer." Für Jan Sommer ist für die Defizite im Bildungs- und Ausbildungbereich die Sparpolitik des Bundesfinanzministers verantwortlich: "Schäubles schwarze Null taucht eben Jahre später in der Bildung wieder auf." Nicht aufgetaucht, aber entschuldigt war CDU-Kandidat Hans-Georg von der Marwitz.

 Jens Sell (MOZ, 15.07.2017)